Die Kunst des „Ganz-viel-Nichts“
Wie findet man zurück zu sich selbst, wenn die Welt wochenlang zu laut, zu fordernd und zu präsent war? Wenn der Terminkalender die Atmung bestimmt hat?
Oft suchen wir die Erholung im Außen: Wellness, lange Spaziergänge, der flüchtige Blick in die Ferne. Doch nach diesem intensiven Jahresabschluss 2024 suchte ich etwas anderes. Ich suchte die Stille nicht nur vor meinen Augen, sondern unter meinen Händen. Ich war ausgebrannt – und mein einziges Ziel war es, ganz viel nichts zu tun.

Die Ästhetik der Leere
Dieser Gedanke des „Nichts“ manifestierte sich sofort in künstlerischen Bildern. In meinem Kopf entstanden Skizzen, die mutig genug waren, leer zu bleiben. In meinem gewohnten Schaffen dominieren oft kräftige Farben und ausdrucksstarke Porträts – doch nun sehnte ich mich nach dem Gegenteil.

Ich trat an den Zeichentisch wie an einen Rückzugsort. Mein Fokus lag auf der radikalen Reduktion:
- Der Raum: Das Spiel mit der freien Fläche. Ein einzelnes Bildelement am äußersten Rand, das dem Auge Platz zum Atmen lässt …
- Die Palette: Weg von der Opulenz. Ich reduzierte die Buntstifte auf ein absolutes Minimum – nur ein paar Nuancen, die leise flüstern, statt zu schreien.
- Das Motiv: Figuren, die in sich ruhen. Menschen, die den Moment des Nichtstuns verkörpern, eingefangen in kleinen Zeichnungen auf Papier (30x21cm).


Drei Tage, dreizehn Momente
Innerhalb von drei Tagen der aktiven Stille entstand eine kleine Serie. Es war kein Arbeiten, es war ein Aufatmen auf Papier. Jede der 12-13 Skizzen ist ein Beweis dafür, dass Erholung kein passiver Zustand sein muss.

Nachtrag: Einige der Skizzen haben mich durch das vergangene Jahr begleitet und in anderen Werken ihren Platzt gefunden – Andere rufen mich noch.
