Eine Hommage an den Alant - Ein gelber Riese zieht ins Atelier
Seit über 25 Jahren ist er nun schon ein treuer Begleiter meiner Sommer: der Echte Alant (Inula helenium). Alles begann damals mit einer einzigen, kleinen Pflanze, die ich von einer Freundin geschenkt bekam. Ich setzte sie in meinen Garten, ohne zu ahnen, welche Pracht sich daraus entwickeln würde. Heute fühlt er sich sichtlich wohl, breitet sich aus und bildet jeden Sommer einen fast zwei Meter hohen "Wald" aus leuchtendem Gelb und sattem Grün.


Ein historisches Kraftpaket Wenn ich im Juli und August vor diesen riesigen Stauden stehe, spüre ich förmlich die Geschichte, die in ihnen steckt. Der Alant ist nicht einfach nur eine Blume, er ist eine uralte Kulturpflanze. Schon in der Antike verehrt, ranken sich Mythen um ihn – so soll er angeblich aus den Tränen der schönen Helena von Troja entstanden sein. Jahrhundertelang war er in Klostergärten als Heilpflanze unverzichtbar. Bei mir im Garten hat er jedoch eine andere Hauptaufgabe: Er ist ein absoluter Magnet für die Natur. Wenn die Sonne steht, summt und brummt es in den Blütenköpfen; Bienen und Schmetterlinge finden hier eine reich gedeckte Tafel.

Lebende Modelle im Atelier Dieses Jahr wollte ich die wilde Schönheit des Alants nicht nur draußen bewundern, sondern künstlerisch festhalten. Ich schnitt einige der kräftigen Stiele und verteilte sie in Vasen überall in meinem Atelier. Der Raum war erfüllt von ihrer Präsenz. Es ist ein ganz eigener Prozess, wenn die Natur "Modell sitzt" – man beobachtet das Welken, das Drehen der Blätter, die Veränderung der Farben.


Alant, 2025, Buntstifte auf Papier, 70 x 50 cm, mmcarlos
Zwischen Buntstift und Ölfarbe Zuerst entstanden mehrere Zeichnungen mit Buntstiften. In Sitzungen von fünf bis zehn Stunden versuchte ich, die feinen Strukturen der zungenförmigen Blütenblätter und das charakteristische, fast wilde Durcheinander der Blätter auf Papier zu bannen. Die Zeichnung erlaubt eine Intimität, ein genaues Hinsehen auf das Detail.
Doch der Alant verlangt auch nach Größe. Sein raumgreifendes Wesen wollte ich auf der Leinwand einfangen. Über mehrere Wochenenden hinweg arbeitete ich an einem großformatigen Ölgemälde (100 x 150 cm). Hier ging es weniger um den botanischen Strich, sondern um die Atmosphäre: das Leuchten des Gelbs vor dem dunklen Hintergrund, die Dynamik der Stiele und die fast architektonische Kraft dieser Pflanze.

Alant, 2025, Öl auf Leinwand, 100 x 150 cm, mmcarlos
Es ist faszinierend zu sehen, wie die Pflanze, die vor einem Vierteljahrhundert klein in meinen Garten kam, nun so viel Raum einnimmt – sowohl in der Erde als auch in meiner Kunst.
